Von Strom, Wasser und anderen Luxusgütern

Montag, 28.07.2014

Ich freue mich auf zu Hause, auf den alltäglichen Luxus.

Hier merke ich, wie verwöhnt ich eigentlich bin und hoffe, dass ich den kleinen, großen Luxus in Deutschland ab sofort mehr zu schätzen weiß.

Es ist Luxus, die Ubahn vor der Tür zu haben und zu wissen, dass sie immer fährt, auf die Minute genau – und man nie stundenlang warten muss, bis die Reise beginnt. Es ist Luxus, so viele verschiedene, leckere Dinge essen zu können, Gerichte aller Länder der Erde und es ist Luxus, fließendes Wasser zu haben – und das immer. Warmes Wasser! Manches Mal habe ich es als Luxus empfunden, einen Tank mit Wasser und einen Eimer zur Verfügung zu haben, denn es gab auch Situationen, in denen selbst das nicht selbstverständlich war. Jederzeit duschen oder sich waschen zu können, ist Luxus. Auch Toilettenpapier, überhaupt eine (öffentliche) Toilette, und nicht nur eine Rinne (wobei es kritische Situationen gibt, in denen ihre Verfügbarkeit der reinste Luxus ist…) und die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen, sind nicht überall selbstverständlich. Es ist Luxus, dass man immer Strom hat und das Handy, wenn überhaupt, nie für mehr als ein paar Stunden ausgeschaltet ist. Auch ist es Luxus, immer (schnelles) Internet zu haben. Es ist Luxus, bequem zu reisen anstatt zu reisen, um irgendwo anzukommen, egal wie dicht einem der Nachbar für mehrere Stunden auf die Pelle rücken muss. Und es ist Luxus, eine Waschmaschine zu haben und nicht Stunden damit verbringen zu müssen, die immer staubigen Klamotten mit der Hand zu waschen.

Ich verwöhnte Luxusgöre freue mich auf zu Hause und – so sage ich jetzt – werde mich nie wieder darüber beklagen, noch „Wäsche waschen“ zu müssen.

Von Müllbergen und schwarzem Qualm

Freitag, 25.07.2014

Plastik ist praktisch, hygienisch und kommt immer und überall zum Einsatz. Jede Klopapierrolle ist in der großen Toilettenpapiertüte noch einmal einzeln in Plastik eingepackt, jeder Deckel einer Wasserflasche ist zusätzlich mit einer Schutzfolie überzogen. Wasser wird häufiger als aus Flaschen aus Plastiktüten konsumiert, was selbstverständlich ein riesiger hygienischer Fortschritt ist, wenn man bedenkt, dass vor noch nicht all zu langer Zeit Wasser auf der Straße aus Eimern geschöpft und – immer aus den gleichen Bechern – an die Menschen verteilt wurde.

Gleichzeitig hat leider niemand daran gedacht, dass die Menschen diese Plastiktüten irgendwo entsorgen müssen und so zieren sie, zusammen mit allem möglichen anderen Müll – mangels öffentlicher Mülleimer – Accras Strände und Straßen.

Müll

 

Hinzu kommt, dass alles, was man einkauft, in Plastiktüten gepackt wird – selbst, wenn es eine einzige Wasserflasche ist, aus der man sowieso direkt trinken möchte. Ich lehne die Tüten immer dankend ab. Aber manches Mal habe ich keine Wahl – zum Beispiel, wenn ich mir eine Ananas, Mango oder Papaya auf der Straße kaufe, schälen und schneiden lasse und sie in zwei Plastiktüten gepackt wird, weil eine alleine häufig nicht dicht hält.

Es gibt nahezu keinen Ort, der frei von Müll ist. Müll gehört überall zum Stadtbild dazu, genauso wie schwarze, stinkende Qualmwolken, die regelmäßig über der Stadt hängen wenn eben dieser verbrannt wird.

Die Vorstellung, dass kein Ende der Müllproblematik in Sicht ist und der Müll immer, immer mehr werden wird, dass keiner in Erwägung zieht, die Plastiktüte beim Einkauf abzulehnen, dass Tüten brennen, die dazu gedient haben, eine Klopapierrolle in einer Klopapiertüte separat einzupacken und dass die Menschen manches Mal nicht wissen, was für dramatische Folgen das für die Umwelt und ihre Gesundheit hat, tut mir in der Seele weh.

In meinem verzweifelten Versuch, irgendetwas gegen dieses Problem zu unternehmen, erwähne ich es immer wieder gegenüber Einheimischen. Dann lobe ich Land und Leute aber erwähne auch, dass mich diese eine Sache wirklich traurig macht: der viele Müll. Manchmal erzähle ich, dass wir in Deutschland Möglichkeiten suchen, den Plastikkonsum einzuschränken; wir zum Beispiel für Plastiktüten bezahlen müssen, wenn wir einkaufen und keinen Beutel mitgebracht haben.

Als ein Freund beim nächsten Einkauf die Tüte ablehnte, war das ein kleines Erfolgserlebnis für mich.

Und dennoch ist kein Ende des Mülldramas in Sicht – es wird auch in Zukunft keine Mülleimer, keine Müllabfuhr und Müllentsorgungsanlage geben. Auch in Zukunft werden die Müllberge weiter wachsen und Accra, einer der meist verschmutzten Orte der Welt, regelmäßig in giftige Qualmwolken gehüllt sein.

Oder? Ich freue mich über eure Kommentare und Anregungen zu meinem Herzensthema.

Von Taxen und Trotros

Donnerstag, 17.07.2014

Wenn man in Ghana ein paar Cedi in der Tasche hat, kommt man immer und überall hin, besonders in Accra. Es wimmelt nur so von Taxen und Trotros,  Trotro umgebauten Kleinbussen, in denen 12 bis 35 Personen Platz finden. Gurte gibt es übrigens fast nie, und wenn, dann werden sie fast nie benutzt.

Bei den Taxen werden dropping und share Taxen unterschieden.

Die dropping Taxen können, wenn sie leer sind, überall angehalten werden und fahren einen, gegen einen ausgehandelten Preis, in der Regel überall hin. Das nutze ich häufig, wenn ich mit mehreren Mädels aus dem Haus unterwegs bin (wir saßen schon zu fünft auf der Rückbank, während sich zwei Mädels den Beifahrersitz teilten) oder sich kein anderes Transportmittel finden lässt – denn es ist die teuerste Variante… und sie wird umso teurer, wenn man nicht gut im Preis aushandeln ist. Inzwischen bin ich darin aber ganz gut. Ein netter Augenaufschlag, ein paar gute Argumente („Ach komm schon, du kennst doch den Preis, es sind 8 Cedi, nicht 10.“, „Auf dem Hinweg war die Straße nicht so schlecht, es hat ja gar nicht geregnet!“, „Gestern habe ich 7 Cedi bezahlt!“, „Ist das dein letztes Angebot? Okay, dann warte ich auf ein anderes Taxi.“) und vor allem das Wissen um den angemessenen Preis, helfen einem weiter. Und wie immer gilt „It´s nice to be nice“, zickig sein bewirkt meist nichts, außer dass man weiter warten, oder tief in die Tasche greifen muss.

Die share Taxen warten an Taxistationen und fahren gegen einen festen Preis zwischen beiden Stationen hin und her. Wann ein share Taxi an der Station ankommen wird und wann es wieder losfahren wird, steht in den Sternen – manchmal wartet der Fahrer, bis alle Plätze besetzt sind. Aber Geduld muss man hier sowieso immer haben. Zumindest kann man dem Fahrer überall sagen, dass man bereits hier aussteigen möchte und bezahlt dementsprechend weniger.

In Trotros, die nicht selten aus Deutschland kommen,  Deutsches Trotro gibt es den Fahrer und den Mait (?), der die Endstation ruft, das Geld einkassiert, dafür sorgt, dass der Fahrer hält, wenn Leute ein- bzw. aussteigen wollen. Die, die einsteigen wollen, machen eine „bremsende“ Handbewegung, die, die aussteigen wollen, rufen „Busstop!“. Ein Trotro fährt erst, wenn alle Plätze belegt sind, was in Accra aber meist schnell der Fall ist. Hier gibt es eher das Problem des Überladens. Einmal saß ich wegen mangelnder Anzahl an Sitzplätzen auf dem des Maits. Der wiederum stand gebückt zwischen dem Stuhl und der Schiebetür. Plötzlich saß der Mait auf meinem Schoß – Polizeikontrolle. Netter Versuch, angehalten wurden wir trotzdem. Nach einem Gespräch zwischen dem Mait, dem Fahrer und den Polizeibeamten ging die Fahrt weiter – vermutlich haben sie den Beamten Geld gegeben, denn Korruption ist hier an der Tagesordnung.

Auch mit Bussen kann man zu festgelegten Preisen in Ghana unterwegs sein. Auch diese scheinen erst loszufahren, wenn alle Plätze besetzt sind und so habe ich einmal 3 Stunden in einem Bus gesessen und auf weitere Mitfahrer gewartet, bevor es endlich losging. Häufig werden auf den Busfahrten Medikamente verkauft oder Predigten von Fahrgästen gehalten. Langweilig ist es auf jeden Fall nie, auf Ghanas Straßen – und zu Beginn meines Aufenthalts hatte ich, aufgrund fehlender Fußwege und den scheinbar wahllos links und rechts vollzogenen Überholmanövern, nicht selten das Gefühl, dass es lebensmüde ist, sich überhaupt auf die Straße zu wagen.

It´s nice to be nice and sharing is caring

Dienstag, 15.07.2014

Wenn man das weiß, kommt man in Ghana, wie eigentlich überall auf der Welt, schon ein ganzes Stück weiter. Und dennoch habe ich festgestellt, dass es nicht schadet, mit Einheimischen darüber ins Gespräch zu kommen, was genau „nice sein“ und Teilen bedeutet, weil man anderenfalls in das ein oder andere Fettnäpfchen tappen könnte.

Nice - ein Abschiedslagerfeuer am Strand für einen Volunteer

Dass man in Ghana keine Angst haben muss, alleine vor die Tür zu gehen, liegt nicht zuletzt daran, dass einem immer und überall geholfen wird und man so garantiert nicht verloren geht. Die Leute zeigen einem den Weg – und das kann manchmal auch bedeuten, dass sie einen über lange Strecken hinweg begleiten, damit man auch wirklich dort ankommt, wo man hin möchte. Tritt man auf der lehmigen Straße wieder einmal in eine matschige Pfütze, so hat einen garantiert jemand dabei beobachtet (weil man als Obruni niemals unbeobachtet ist) und ist unmittelbar zur Stelle, um einem die Füße zu waschen. Flüchtige Bekannte setzten alles in Bewegung, um einem bei der Suche nach einem gemeinsamen Freund am Strand zu helfen.

Zugegebenermaßen flirten ghanaische Männer sehr gern mit (weißen?) Frauen und ab und zu ist einem vielleicht eher danach, angesichts der haarsträubenden Geschichten über die ganz große Liebe, genervt mit den Augen zu rollen anstatt nice zu bleiben – doch auch das ist möglich und lässt einem die Möglichkeit, trotz eines charmanten Korbs noch ein bisschen zu plaudern und zu scherzen.

Humor verstehen die Menschen hier tadellos, vor allem meinen schwarzen, das ist gut. Apropos schwarz – die Hautfarbe ist kein Tabuthema, auch wenn es um Scherze geht. So hat Benji vom Kiosk nebenan vor einer Party auf ein Foto mit uns bestanden, auf dem letztendlich zwei Obrunimädchen und Benjis strahlendweißes Lächeln zu sehen waren. „I´m too black…“, stellte Benji enttäuscht fest – wir haben uns köstlich amüsiert.

Nett sein ist im Zweifelsfall immer die beste Möglichkeit, auch unangenehme Situationen souverän zu meistern und doch gibt es Fälle, in denen wir annehmen würden, nett zu sein – es aber nicht so empfunden wird. Ebenso gibt es Situationen, in denen wir die Ghanaer – aufgrund kultureller Missverständnisse – dreist, unverschämt und unfreundlich – kurz gesagt alles andere als nice – finden würden.

Fragt man beispielsweise einen Ghanaer, ob er vom Essen probieren möchte, kann es passieren, dass hinterher die Hälfte des Essens aufgegessen ist – und derjenige begeistert strahlt und sagt: „Ja! Sehr gut!“. Wo wir empört über diese Dreistigkeit wären, würde sich in Ghana der Anbietende darüber freuen, dass der andere das Essen auch mag.

Das irritierendste für uns ist wohl der Umgang und die Einstellung zum Geld. Es gibt hier keine finanzielle Unterstützung für Arbeitslose, wer keine Arbeit hat, hat kein Geld und ist von seinen Mitmenschen abhängig.

Für Nettigkeiten wird als Dank Geld gegeben, auch wenn die Nettigkeiten innerhalb der Familie passieren. Wo es bei uns nett wäre, wenn eine Friseurin der Freundin umsonst die Haare schneidet, so ist es in Ghana selbstverständlich, auch dann etwas Geld zu geben, wenn die Schwester die Haare macht – wenn man als Obruni Freunden für so etwas also kein Geld gibt, wird man als unfreundlich wahrgenommen.

Bereits des Öfteren wurden Obrunis von den Fluten ins Meer gezogen weil die Wellen unglaublich gewaltig sind und von uns maßlos unterschätzt werden. Letzte Woche wurde ich Zeugin davon, wie mehrere Ghanaer drei Weiße aus dem Meer gerettet haben, die sich – für unser Verständnis – sehr dankbar gezeigt haben. Ich habe mitbekommen, wie Obstfrauen am Strand angefangen haben, sich darüber zu ärgern, dass die Obrunis den Rettern kein Geld gegeben haben. Des Öfteren habe ich mich mit Emmanuel darüber unterhalten, dass so etwas für uns eine Sache der Ehre ist, kein Geld der Welt ausreichen würde, um den Dank dafür in einem Betrag auszudrücken und sich jeder Obruni schockiert fragen würde, ob die Retter einen des Geldes wegen gerettet haben.

Die Trennung zwischen Emotionalem und Materiellem wird hier nicht so gezogen wie bei uns, was auch daran liegt, dass in Deutschland jeder zumindest sein Essen selbst kaufen kann, ohne dafür nett zu anderen sein zu müssen.

Wechselgeld lassen sich Verkäufer manches Mal vom Shop nebenan geben, wenn sie gerade keines haben – und ich glaube nicht, dass diese dieses Geld je wieder sehen werden. Trotzdem geben sie es ohne auch nur das Gesicht zu verziehen. Fischer, die nichts gefangen haben, fragen Bekannte um finanzielle Hilfe, um trotz des schlechten Tages ihre Familie ernähren zu können. It´s nice to be nice – und damit ist auch gemeint, nicht geizig zu sein. Auf den ersten Blick nimmt jeder Obruni an, dass diese „Dreistigkeit“ mit der eigenen Hautfarbe zutun hat. Man muss sich schon tiefer auf die Kultur einlassen, um zu verstehen, was bedeutet „It´s nice to be nice.“

It´s nice to be nice

In Ghanas Norden und zurück

Donnerstag, 10.07.2014

Am Freitag, den 27. Juni, begann meine Reise quer durch Ghana, die mich über Kumasi, Techiman, Kintampo, Larabanga zum Mole Nationalpark sowie nach Tamale, Bolgatanga und Paga führte.

Im Sprinter (wobei diese Bezeichnung für unsere Begriffe etwas hochgestapelt ist) ging es nach Kumasi. Leider konnte ich die emotional geladene, auf Twi gesprochene Predigt eines Fahrgastes nicht verstehen.

Kumasi, die Goldene und stolze Hauptstadt des Volkes der Ashanti liegt in einer lieblichen Landschaft mit sanften Bergen und grünen Wäldern.

Kumasi - die Goldene

Mit ihren rund 1 Millionen Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt Ghanas und das kulturelle Zentrum des Landes. Auch ich finde Kumasi bedeutend schöner als Ghanas Hauptstadt Accra.

In Kumasi angekommen, führte uns unser Weg zu Emmanuels Tante, bei der wir übernachten konnten. Sie bereitete uns ein köstliches Essen zu...

Tante beim Essen zubereiten

...während wir – größtenteils unangemeldet – Großonkel, Tanten, Cousinen und Freunde von Emmanuel besuchten.

Herzallerliebst 

Am Samstag ging es weiter zum Lake Bosumtwi, dem heiligen See der Ashanti.

Lake Bosumtwi

Für die meisten Ashanti ist Bosumtwi die Heimat einer ihrer wichtigsten Gottheiten – Twi. Nach dem Glauben ist der Bereich des Sees der letzte Ort, an dem die Seelen aller toten Ashanti bei Twi Abschied von der Erde nehmen. Erschöpft von der langen Fahrt in Trotros und Taxen freute ich mich über die erste warme Dusche in Ghana in einem schicken Hotel und sogar auf das Abendessen, bestehend aus Fried Rice und meinem ghanaischen Lieblingsgetränk Alvaro.

BeREISterung Fried Rice mit Chicken

Nach dem Frühstück, bestehend aus bred and egg und Instantkaffee, ging es mit dem Trotro weiter nach Nkoranza.

Am Montag fuhren wir zum Affenschutzreservat, wo man die Mona-Monkeys mit Erdnüssen füttern kann...

Herzlich Willkommen Mona-Meerkatze Babyäffchen

... und wo zudem der Baum Ficus zu finden ist, der um andere Bäume herum wächst, die infolgedessen zu Grunde gehen.

Ficus

Anschließend ging es in einem besonders engen, staubigen und klapprigen Trotro

Augen zu und durch

zu den Kintampo Wasserfällen,

Kintampo Waterfalls

wo gerade ein Schulausflug stattfand. „Obruni, Obruni“ – die freundlich gemeinte Bezeichnung Menschen weißer Hautfarbe – tönte aus allen Ecken. Einige hielten ihre Begegnung mit mir auf Fotos fest, andere wollten, dass ich ihnen das Schwimmen beibringe, während viele Kinder begeistert meine glatten, hellen, weichen Haare befühlten. Diese Begegnungen, verbunden mit der gigantischen Landschaft und dem ohrenbetäubenden Lärm der Wasserfälle, erfüllten mich mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit und des Glücks.

Obruni, Obruni! Herzlichkeit

Am Dienstag ging es über Damango nach Larabanga.

Hier ist der Islam die vorherrschende Religion, es wird eine andere Sprache gesprochen, die Temperaturen sind heißer – schier unerträglich -, fließend Wasser scheint es hier nirgendwo zu geben und runde Lehmhütten mit Strohdächern, die kreisförmig angeordnet sind, prägen das landschaftliche Bild. In einer eben solchen Hütte haben wir in der darauffolgenden Nacht geschlafen – oder es zumindest versucht.

Larabanga ist durch seine 1421 erbaute Moschee, die älteste Ghanas, bekannt.

Moschee in Larabanga

 

Von Larabanga aus ging es in den Mole Nationalpark, wo wir eine Jeepsafarie gemacht haben und in einem schickeren Hotel, in dem es von Obrunis nur so wimmelte, ein bisschen Luxus und gutes Essen genossen haben.

Auf dem Dach eines Jeeps Guck, guck

Anschließend führte uns unser Weg weiter über Tamale und Bolgatanga, wo wir das Fußballspiel zwischen Deutschland und Frankreich angeschaut haben, nach Paga, zu den heiligen Krokodilen.

Ja, das Krokodil ist echt Trab!

In der Nacht von Samstag zu Sonntag sind wir, zunächst in einem normalen - ab Kumasi mit einem klimatisierten V.I.P. Bus - die mühselige Heimfahrt angetreten.

In Accras Slums

Dienstag, 24.06.2014

Dass Armut in Ghana allgegenwertig ist, ist das eine. Was es bedeutet, zu den ärmsten der Armen zu gehören, habe ich heute mit eigenen Augen gesehen.

Nach der Schule habe ich mit den Mädels den langen Weg mit dem Trotro und dem Bus auf mich genommen, um mich mit der Lehrerin einer Schule für Straßenkinder zu treffen, die uns durch die Slums geführt hat.

Schule für Straßenkinder

Würde ich die vielen Menschen, die man hier sieht, auf Accras Straßen außerhalb des Slums treffen, so würde ich den meisten von ihnen nicht ansehen, dass sie in derart ärmlichen Verhältnissen leben.

Viele von ihnen kommen aus nörlich gelegenen Regionen und Nachbarländern wie Burkina Faso in der Hoffnung, in Accra, Ghanas Hauptstadt, Arbeit zu bekommen und ein besseres Leben zu haben.

Slumkinder

Den Gedanken, die Slums einmal mit eigenen Augen sehen zu wollen, hatte ich bereits am zweiten Tag nach meiner Ankunft, als wir während der Einführung mit dem Bus daran vorbeigefahren sind. Eine schwarze, selbst auf die Entfernung scheußlich giftig stinkende Qualmwolke hing über Bergen von Müll und ich fragte Matilda, die Projektkoordinatorin, ob das die Mülldeponie sei. Als sie mir erzählte, dass in dieser verseuchten Gegend Menschen wohnen, ließ mich der Gedanke nicht mehr los, Ghana auch ganz bewusst von seiner dunkelsten Schattenseite kennenlernen zu wollen.

Vergifteter Fluss Kühe in den Slums   Müllberge  Brennender Müll

Besonders schockierend und traurig ist, dass wir in Europa teilweise Schuld daran sind, dass einige Menschen in Afrika so leben, da unser Schrott, statt ordnungsgemäß (und teuer) entsorgt zu werden, als Secondhandware nach Afrika gelangt, wo Kinder die Geräte auseinanderbauen um Metalle u.ä. verkaufen zu können.

Was nicht verwendet werden kann, wird verbrannt - dort, wo viele Menschen und vor allem viele Kinder leben.

Trotz dieser furchtbaren Eindrücke habe ich heute in den Slums viel gelächelt. Ich habe stolze Menschen getroffen, keine Scham erkennen können. Ich wurde viel angelächelt und begrüßt, jedoch nie angebettelt.

Inmitten der Slums sind wir an einem Sportplatz vorbeigelaufen, wo auch schon bekannte ghanaische Fußballer ihre Karriere begonnen haben.

Fußball

Ein engagierter Mann hat eine "Sporthalle" aufgebaut, wo Kinder und Jugendliche u.a. im Boxen trainiert werden.

Sporthalle

Projekte wie diese sind es, die Mut machen und die es sich zu unterstützen lohnt.

Frauen wie Anita, die Lehrerin der Schule für Straßenkinder, sind es, die mich mit ihrer Begeisterungsfähigkeit anstecken und für die ich meine Hand ins Feuer legen würde, dass die Unterstützung auch wirklich da ankommt, wo sie so dringend gebraucht wird.

http://www.universalwonderfulstreetacademy.org/

Essen, Essen, Essen...

Dienstag, 24.06.2014

Auf die Frage, was ich am meisten vermisse, würde ich vermutlich mit "europäischem Essen" antworten und um ehrlich zu sein, nutze ich jede Gelegenheit, hier solches zu bekommen.

Keine Frage, die Ghanaer verstehen es, ihr Essen gut zu würzen und es gibt auch welches, das mir gut schmeckt.

Dazu gehört "Red-Red", meine erste landestypische Mahlzeit am zweiten Tag in Ghana. Red-red besteht aus reifen, in Palmöl gebratenen Plantains (Kochbananen) und Bohnensoße.

Red-red

Auch Watschie (Zwiebelreis mit schwarzen Bohnen) und Joloff (Reis mit Gemüse und Fleisch) mag ich gern.

Reis, Reis, Reis... und den gibts auch schon morgens. Frühstück im deutschen Sinne gibt es in Ghana nicht und das ist für mich als Frühstücksliebhaberin ein kleiner Albtraum. Kaffee habe ich in den 3 Wochen bisher nur 3 Mal getrunken - und vermisse ihn erstaunlicherweise nicht so sehr wie gedacht. Kaffee trinken ist hier ebenso unüblich wie zu frühstücken oder etwas Süßes zu essen - wenn es sich nicht gerade um eine Ananas, Banane, Papaya oder Mango handelt.

Letzte Woche haben wir im Haus das ghanaische Nationalgericht Fufu zubereitet. Fufu ist laut Reiseführer "eine klebrige Masse auf Maniokbasis. [...] Für das klassische Fufu werden gekochte Maniokwurzeln und Kochbananen in breiten Mörsern zu einer tatsächlich gummiartigen Paste zusammengestampft..."

Fufu-Zubereitung

"Fufu muss mit einer der variationsreichen Suppen gekostet werden, dann kommt die Erleuchtung. Wem sie nicht beim ersten Mal kommt, sollte nicht gleich aufgeben, sie kommt bestimmt."

  Fufu

Fufu wird übrigens, wie vieles hier, mit der (rechten!) Hand anstatt mit Besteck gegessen. Als ich Matilda, unserer Koordinatoren, gestand, dass Fufu nicht unbedingt meinem Geschmack entspricht, sagte sie, dass es sicher daran läge, dass ich es falsch essen und kauen würde. Fufu würde direkt heruntergeschluckt werden...

Wie dem auch sei, Fufu werde ich in Deutschland wohl nicht vermissen.

Ein Schultag in der Nursery

Montag, 23.06.2014

Mein Wecker klingelt täglich 6.40 Uhr, wobei ich durch die Helligkeit häufig schon vor dem Wecker aufwache. Um 7.30 Uhr beginnt für mich der Schultag in der Nursery mit den Allerkleinsten.

Pause

Die älteren Schüler fegen und bereiten die Räume für den Schultag vor, jeder scheint zu wissen, was zutun ist - ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die ankommenden Babys zu trösten, die oft weinen, wenn Mama sie meist wortlos verlässt. Die meisten werden jedoch von älteren Geschwistern in die Schule gebracht oder kommen alleine, zu den Eltern habe ich demnach so gut wie keinen Kontakt.

Mittagsschlaf auf Marias Arm

Die Lehrer versammeln sich in dem Klassenzimmer der Nursery und beten zusammen. Ich verstehe nicht alles, sie reden, rufen und singen durcheinander, gestikulieren oder fassen sich an den Händen.

Um 8 Uhr läutet ein Schüler die Glocke und alle Schüler und Lehrer versammeln sich auf dem zentralen Platz. Jeden Tag leitet ein anderer Lehrer die Begrüßungszeremonie, die aus Gebeten, sportlichen Elementen, Liedern - unter anderem der ghanaischen Nationalhymne, die ich jeden Tag ein bisschen besser mitsingen kann und manchmal auch aus ein paar Spielen besteht. Auf diese 15 - 60 Minuten zu Beginn des Tages freue ich mich immer sehr und es wundert mich nicht, dass Afrikaner scheinbar den Rhythmus im Blut haben. Die Rhythmen, die teilweise schon die Kleinsten zu den Liedern klatschen, würden vielen deutschen Kindern und Erwachsenen vermutlich Schwierigkeiten bereiten.

Im Anschluss an die Begrüßungszeremonie gehen alle Kinder in ihre Klassen, wo sie, auch wenn sie noch sehr klein sind, bereits unterrichtet werden. In den langen Pausen spielen die Kinder und bekommen, wenn sie das entsprechende Geld bezahlen, Reis, Kekse, Eis (Wassereis aus Plastiktüten) oder Weißbrot, das wahlweise in Kakaosojamilch oder eine andere, merkwürdig riechenden Flüssigkeit getunkt wird.

Auto fahren

Pünktlich um 12.30 Uhr bekommen die Kinder der Nursery ihr Mittagessen, das ich fast immer mitesse. Meist besteht es aus Reis in verschiedenen Variationen oder - und in diesem Fall werde ich in Zukunft auf die nette Einladung zum Mitessen verzichten - Fufu oder Banku.

Nach dem Mittagessen legen sich die Kinder auf ihre Matten, halten Mittagsschlaf und ich darf nach Hause gehen - "Obruni bye bye..."

Obruni bye bye

Was noch gesagt werden muss...

Nach meinem ersten Tag im Projekt war ich am Boden zerstört und schrieb kurz darauf meine Eindrücke in den Blog. Ich hätte jedoch nicht damit gerechnet, dass allein die Erzählung bei euch zum Teil so empörte Reaktionen auslöst.

Es ist mir wichtig, einige meiner Aussagen zu relativieren und obwohl das hiesige Bildungssystem sowie die Rahmenbedingungen mit unseren nicht zu vergleichen sind, so können auch wir in Deutschland von ghanaischen Schulen etwas lernen.

Andrew

Springen, singen, tanzen, schreien und toben sind an meiner Schule, der King David´s Royal Academy, fester Bestandteil des Schulalltags. Kinder, die zu dick sind oder Koordinationsschwierigkeiten haben, sind in Ghana schwer vorstellbar, Kinder (oder Erwachsene), die sich schämen, etwas vorzusingen oder zu tanzen, ebenso. 

Die Gemeinschaft wird gefördert, die Größeren sorgen sich um die Kleinen, alle Schüler und Lehrer scheinen sich untereinander mit Namen zu kennen.

It´s nice to be nice

Die handgreiflichen Auseinandersetzungen betrachte ich inzwischen als ein Spiel - und muss an kleine Löwenbabys denken, die sich rangeln, beißen und sich so widerstandsfähig und stark fürs Leben machen.

Wie in Deutschland gibt es auch in Ghana mehr oder weniger motivierte, mehr oder weniger engagierte, mehr oder weniger kompetente und mehr oder weniger begeisterungsfähige Lehrer. Im Gespräch mit der Schulleiterin habe ich erfahren, dass keiner von den Lehrern eine akademische Ausbildung hat und sie in der Schule Wert darauf legt, dass Schläge als Erziehungsmaßnahme nicht mehr praktiziert wird. Tatsächlich erlebe ich hauptsächlich die Drohung anstatt der tatsächlichen Anwendung des Stocks.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass der sparsame Umgang mit Trinkwasser damit begründet wird, dass die Kinder anderenfalls zu viel in die Hosen pinkeln würden. Ob diese Begründung sinnvoll ist, sei dahin gestellt und dennoch habe ich derartige Argumente auch in deutschen Kinderkrippen schon gehört, wo eine nasse Hose unkomplizierter gewechselt werden kann als hier.

Obruni, take me!

Der Junge, der sein Essen nicht bezahlen konnte, hat zum Glück in letzter Zeit immer sein Mittagessen bekommen, auch wenn er es in der Regel mit seinem Bruder teilen musste. Das schien aber für beide kein großes Problem zu sein und wenn doch, dann haben sie einen Nachschlag bekommen.

Teilen wird in Ghana groß geschrieben, denn "sharing is caring". Das erlebe ich täglich in der Schule - zumindest was das Essen angeht. Bei Spielzeug fällt das Teilen dann doch schwerer.

Inzwischen kenne ich fast alle (auch die komplizierten) Namen der Kinder in meiner Klasse (z.B. Andrew, Kingford, Abigale, Manasi...) und lerne sie jeden Tag besser kennen. Meist stelle ich fest, dass trotz der enormen Unterschiede zu deutschen Kitas und Elternhäusern die Kinder im Grunde die gleichen Probleme und Bedürfnisse haben und - wenn sie auch auch in Ghana etwas robuster und härter im Nehmen zu sein scheinen - einfach ebenso bezaubernde Kinder sind.

Mango und Plantain-Chips am Strand

Samstag, 07.06.2014

Wochenende!!!

Nachdem wir mit dem Taxi Richtung Strand gefahren sind, haben wir uns an einem Stand Obst gekauft, das uns geschält und klein geschnitten wurde.

Obststand

Die Mango, die ich dann am Strand gegessen habe, war die beste, die ich je probiert habe.

 

Die beiden Mädels aus meinem Zimmer ritten wenig später am Strand entlang, während ich meine Plantaine-Chips (Bananenchips) genoss und einen Strandspaziergang machte.

Jetzt gehts zu meiner ersten Reggea-Party. Mein Motto lautet: "Shake, what mum and dad gave you from Deutschland" (Zitat Emmanuel).

Erste Erlebnisse

Donnerstag, 05.06.2014

Nach meinem ersten Tag als Volunteer war ich am Boden zerstört. Die Bedingungen in der Schule sind katastrophal.

Ich arbeite in der jüngsten Klasse, die Kinder sind zwischen 1 und 3 Jahren alt - und lernen schon Buchstaben und Zahlen!

Die Lehrerin betreut 23 Kinder in einem viel zu kleinen Raum - das Material zum Arbeiten und Spielen ist äußerst dürftig bzw. nicht vorhanden. Kinder zu schlagen ist hier noch Erziehungsalltag und auch die Kinder hauen sich gegenseitig, vermutlich aus Mangel an Beschäftigung.

Die Kleinen fragen nach etwas zum Trinken, doch die Lehrerin vertröstet sie auf einen späteren Zeitpunkt. Es bricht mir das Herz in die Kulleraugen der durstigen Kinder zu schauen und ich bin unentschlossen, wie ich in Zukunft damit umgehen werde. Ich möchte den Kindern jederzeit etwas zum Trinken anbieten können und den Mitarbeitern der Schule dennoch mit Respekt begegnen und mich nicht über deren Entscheidungen - wie auch immer meine Einstellung dazu sein mag - hinwegsetzen.

Ein kleiner Junge sieht besonders dünn und krank aus, er bekommt nach all den andern Kindern sein Essen, wenn diese bereits aufgegessen haben. Vermutlich kann er das Essen nicht bezahlen... Heute tropfte der Regen durch das Wellblechdach auf den Tisch, den er daraufhin ableckte. Bei diesem Anblick hatte ich einen dicken Kloß im Hals...

Die Mädchen in meinem Zimmer sind sehr nett und nahmen mich nach dem ersten Tag im Projekt mit zum paradiesischen Strand, der mich auf andere Gedanken bringen sollte.

Traumstrand

Ich am Traumstrand 

Die Ruhe vor dem Sturm

Wir haben Emmanuel, einen Einheimischen, kennengelernt. Er war sehr offen, kannte bereits andere Volunteers von Praktikawelten und erzählte uns eine Menge über sein Land, die Leute und empfehlenswerte Reiseziele. Wir haben mit ihm am Strand eine Shisha geraucht und etwas gegessen...

Dämmerung

... und dann kam der Regen. Die Straßen aus Lehm schwammen davon, ebenso wie Lindas Flipflop. Kein Taxifahrer war bereit, bei diesem Wetter zu unserem Haus zu fahren. Gewaltige Blitze zuckten über den Himmel, wir waren komplett durchnässt. Um halb 7 ist es in Ghana stockfinster.

Emmanuel sprach mit einem Taxifahrer, der uns für den doppelten Preis nach Hause brachte. Emmanuel selbst hätte ganz bald zu Hause sein können, er wohnt direkt am Strand, doch er begleitete uns im Taxi bis zum Haus um sicher zu gehen, dass wir gut nach Hause kommen.

Diese Art von Begegnungen sind es, die meine Neugierde auf das Land und seine Leute wecken und meinen Glauben an das Gute im Menschen bestärken. Dafür bin ich sehr dankbar.

Gute Nacht aus Ghana

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